Ein Energiemanagementsystem ist sinnvoller als ein bloßes Audit

Thomas Huber, bei Porsche Immobilien zuständig für Energiemanagement, im Gespräch über die den Nutzen von Energiemanagementsystemen für Unternehmen

Sie haben ab 2015 ein Energiemanagementsystem nach der ISO 50001 eingeführt. Was waren die Gründe dafür?
Huber: Die Grundsatzentscheidung des Konzerns erfolgte wegen des damaligen neuen österreichischen Energieeffizienzgesetzes. Dieses bot großen Unternehmen die Option, entweder regelmäßige Energieaudits durchzuführen oder ein Energiemanagementsystem zu implementieren. Unsere Geschäftsführung enschied sich für ein Energiemanagementsystem, weil das nachhaltiger und sinnvoller ist. Es ermöglicht, den Energiebedarf und dessen Entwicklung kontinuierlich zu überwachen und ist somit eine solide Basis für effizienzsteigernde Maßnahmen.
Die Audits sind dem gegenüber ja nur alle vier Jahre durchzuführen.

Wie unterstützte Sie Power Solution bei der Einführung des Systems?
Huber: power solution hat uns in das Thema hineinbegleitet. Wenn man damit erstmals zu tun hat, ist einem vielerlei unbekannt, etwa, wo man ansetzen sollte und welche Dokumente man benötigt, etwa für die Erstellung einer Energiepolitik. Hier war power solution sehr hilfreich.

Wie lange dauerte die Einführung des Systems, was waren dabei die größten Herausforderungen?
Huber: Die größte Herausforderung war gerade die Dauer, nämlich die relativ kurze Zeit, die zur Umsetzung zur Verfügung stand. Wir begannen im Jänner mit der Ausschreibung und mussten das System bereits bis zum folgenden November implementieren. Leider gab es Verzögerungen bei den rechtlichen Grundlagen. Es ist problematisch, wenn der Gesetzgeber noch nicht weiß, was er will, und das Datum für die Umsetzung des Gewollten durch die Unternehmen dennoch nicht verändert.

Was hat das Ihnen Energiemanagemenstystem gebracht?
Huber: So ein System wirkt sich erst im dritten Jahr nach seiner Einführung spürbar positiv aus. Darauf hat uns power solution seinerzeit hingewiesen, und das deckt sich mit unseren Erfahrungen. Im ersten Jahr erfolgt die Einführung, im zweiten Jahr das Erkennen und die Umsetzung der Effizienzmaßnahmen, und erst im dritten Jahr kann man die Früchte seiner Arbeit ernten.
Wir sind jetzt im vierten Jahr und werden über alle Standorte hinweg gerechnet voraussichtlich eine Verminderung des Strom- und Wärmebedarfs von etwa 20 Prozent bzw. 14 Millionen Kilowattstunden erreichen. Das erfolgt allerdings schon ein Jahr früher als geplant. Unser größtes Potenzial für Verbrauchsreduktionen bestand in der Heizungssanierung, die wir in ganz Österreich zu etwa 80 Prozent umgesetzt haben. Außerdem haben wir Photovoltaikanlagen errichtet, um die erneuerbaren Energien verstärkt zu nutzen, und Dächer saniert, um die thermische Energie besser in den Griff zu bekommen. Insgesamt haben wir sehr viel umgesetzt.

Es heißt, dass die Bewusstseinsbildung bei den Beschäftigten eine sehr wichtige Rolle bei der Verbesserung der Energieeffizienz spielt.
Huber: Ja, das ist richtig. Die Technik kann fast nicht so gut sein wie die Mitarbeiter. Wir haben in Österreich etwa 6.000 Beschäftigte. Es ist wichtig, ihnen das Thema Energieeffizienz nahezubringen, ihnen zu erläutern, wie viel Energie der Betrieb benötigt und wie sich Effizienzsteigerungen erzielen lassen. Das tun wir mit einer Reihe von Maßnahmen, etwa Energiesparwettbewerben und Schulungen zu konkreten Themen.

Würden Sie anderen Umnternehmen empfehlen, ein Energiemmanagementsystem einzuführen?
Huber: Absolut, ja. Wenn man sich mit dem Thema beschäftigt, sieht man sehr schnell, welche Potenziale sich eröffnen. Die genannte Verbrauchsverminderung um 20 Prozent entspricht einer siebenstelligen Euro-Summe. Das muss man erst einmal verdienen. Und wir sind ja nur eines von vielen Unternehmen in Österreich. So gesehen, war das Energieeffizienzgesetz letztlich eine gute Idee und hatte seinen Sinn.

Sie sind dabei, das Energiemanagementsystem auch in anderen Ländern einzuführen. Um welche Länder geht es, und wie weit sind Sie?
Huber: Wir beginnen mit den Ländern im EU-Ausland, in denen die Porsche Holding vertreten ist. Heuer erfolgt die Einführung des Systems in Tschechien, Ungarn und Rumänien. Bis Ende 2022 wollen wir alle EU-Länder integrieren.
Danach schauen wir, wie das System außerhalb der EU funktioniert. Das Effizienzpotenzial, das es in Östereich gibt, ist im Ausland vermutlich ebenso vorhanden, vielleicht sogar in noch größerem Ausmaß.

In Österreich läuft die Evaluierung des Energieeffizienzgesetzes. Was sollte dabei berücksichtigt werden?
Huber: Wichtig wäre, auf realistische Maßnahmen zur Effizienzsteigerung zu setzen. Oft entsprechen die rechnerisch ermittelten Einsparungen nicht der Realität. Außerdem empfehlen sich fairere Vorgaben als bisher. Unternehmen, die ein Energiemanasgementsystem einführen, müssen zusätzlich auch Audits durchführen. Wer dagegen nur ein Audit macht, hat keine weiteren Verpflichtungen.

In Österreich läuft die Evaluierung des Energieeffizienzgesetzes. Was sollte dabei berücksichtigt werden?
Huber:  Ich wäre eher für ein Anreizsystem. Wer beispielsweise in Deutschland eine Photovoltaikanlage installiert, bekommt 60 Prozent der EEG-Umlage, also Ökostromkosten refundiert. In Österreich dagegen muss er Eigenverbrauchssteuer bezahlen zu beachten ist auch: Durch Umsetzungspflichten kämen Unternehmen, die bereits in der Vergangenheit Energieeffizienzmaßnahmen setzten, unter viel höheren Druck als solche, die bsiher nichts taten. Wir haben 20 Prozent eingespart, können aber keine weiteren 20 Prozent einsparen. Wir brauchen einfach Energie.